Aufruhr 1225! Ritter, Burgen und Intrigen
28. August 2009
Erst jetzt (und zugegebenermaßen etwas spät) fällt mir eine nette Ausstellung des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe auf. Die Homepage der Ausstellung ist ganz nett, trotzdem ist mir nicht ganz klar, wie ich das verpassen konnte, aber naja :)
Die Ausstellung setzt Ihren Fokus auf das Jahr 1225, das zumindest für Engelbert von Köln nicht so gut verlief. Man fand ihn im November in der Nähe von Gevelsberg durch 47 Messerstiche ermordet. Man muss kein Profiler zu sein, um zu merken, dass da jemand den guten Engelbert gar nicht leiden konnte, dumm nur das er zeitgleich der Erzbischof von Köln und somit einer der mächtigsten Männer des Reiches war. Es stellen sich aber trotzdem einige Fragen: So zum Beispiel was der Erzbischof mit so wenig Schutz in der Gegend trieb, woher man wusste, dass er dort war, und vor allem: Wer war der Täter!
Durch den Tod des Erzbischofs erstand ein mächtiges Machtvakuum dass das Gesicht von Rhein und Ruhr maßgeblich prägte. Man kann hier in der Folge fast von Anarchie reden, denn nun war das Raubrittertum und vor allem Intrigen jeglicher Art an der Tagesordnung. Vor allem aber entstanden in der Folgezeit zahlreiche Burgen in diesem Gebiet zum persönlichen Schutz deren Insassen.
Als Täter vermutet man den Grafen Friedrich von Isenberg, ich könnte jetzt was mehr erzählen, aber dazu später (will ja keinem den Spaß verderben!). An dieser Stelle vielleicht erwähnenswert ist, wie mit der Leiche des Erzbischofs offiziell verfahren wurde! Diese wurde zurück in den Kölner Dom gebracht, und „die Gebeine zu Grabe tragen“ nahm man damals recht wörtlich. Der Erzbischof wurde gekocht! Als sich das Fleisch von den Knochen löste, wurde dieses im Dom beigesetzt. Das Herz jedoch wurde im Kloster Altenberg beerdigt und die Knochen wurden in einem Schrein aufbewahrt. Nach mittelalterlichem Recht benötigte man diese zu einer Klageerhebung! Der Schrein kann noch heute in der Schatzkammer des Kölner Doms besichtigt werden.
Walther von der Vogelweide dichtete im Auftrag von Stauferkaiser Friedrich II. das folgende Gedicht:
Wes’ Leben ich lobe, dessen Tod will ich immer beklagen
So wehe ihm, der den edlen Fürsten von Köln erschlagen hat!
Wehe darüber, dass die Erde ihn noch tragen mag!
Ich kann, gemessen an seiner Schuld, keine passende Marter finden:
Für ihn wäre allzu sanft eine Schlinge aus Eichenseil anzulegen um seinen Hals.
Ihn auch nicht verbrennen, weder an Gliedern zerstückeln noch ihm die Haut abziehen,
weder mit dem Rade zerbrechen noch ihn darauf binden:
Ich warte bloß darauf, ob die Hölle ihn nicht bei lebendigem Leibe verschlingen will.
Mehr verrate ich an dieser Stelle ausnahmsweise nicht, da die Ausstellung in Herne ziemlich clever aufgebaut ist! Hier durchlebt man das Ganze nämlich als Kriminalstück und kann sich selbst von den Gepflogenheiten des Mittelalters überzeugen – so zum Beispiel der „Besuch“ der Knochen an der Hochzeitstafel des Königs :)








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